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„Smarter Texten mit KI“ von Ursula Martens: Ja, wir hätten es kürzer schreiben sollen. Nein, wir konnten einfach nicht anders.

Smarter Texten mit KI von Ursula Martens: Warum unsere Rezension absichtlich so überlang ist

Inhaltsverzeichnis
Wie lang darf eine Rezension eigentlich sein?

Smarter Texten mit KI“ von Ursula Martens: Ja, wir hätten es kürzer schreiben sollen. Nein, wir konnten einfach nicht anders.

Diese Rezension ist lang. Sehr lang. Und sie wird noch länger.

Nicht nur, weil ich mit Ursula Martens freundschaftlich verbunden bin und in der Vergangenheit spannende Projekte gemeinsam umgesetzt habe. Sondern vor allem, weil ich Lust darauf hatte, einmal keine 800-Wörter-Kurzmeinung zu schreiben, die nach drei Scrollbewegungen endet.

Es gibt kaum wirklich ausführliche Buchrezensionen zu Fachbüchern. Meist sind es Zusammenfassungen, Sternebewertungen oder oberflächliche Eindrücke. Ich wollte das anders machen. Kapitel für Kapitel. Mit echten Praxisbezügen aus unserer Agenturarbeit. Mit ehrlicher Auseinandersetzung. Und mit genügend Raum, um Gedanken auch mal auszuformulieren – teilweise übrigens gelesen zwischen Trainingseinheiten auf dem Peloton. Daher ist dieser Beitrag bewusst persönlicher geschrieben als sonst auf medienvirus.de – weil er aus einer sehr persönlichen Lese- und Trainingserfahrung entstanden ist.

„Smarter Texten mit KI“ aus dem O’Reilly Verlag ist für dieses Vorhaben der perfekte Anlass. Ich fand – und finde – das Buch gut. Nahe an sehr gut. Dennoch bewerte ich nicht unkritisch, aber fundiert. Und genau deshalb bekommt es hier keinen Schnellschuss, sondern eine Langstrecke.

Diese Rezension wächst mit jedem gelesenen Kapitel. Ich veröffentliche sie in Teilen, ergänze neue Learnings fortlaufend und lasse bewusst sichtbar, wie sich meine Perspektive und damit auch die Perspektive der Agentur entwickelt.

Weil gute Bücher Zeit verdienen.
Und weil ich einfach mal Bock auf eine richtig lange Rezension hatte.

Ich habe diesen Brief länger gemacht, als gewöhnlich, nur weil ich nicht die Zeit hatte, ihn kürzer zu machen.

Blaise Pascal (1623–1662, französischer Mathematiker, Physiker, Erfinder und religiöser Philosoph

„Smarter Texten mit KI“ von Ursula Martens | Kapitel 1 - 3: Grundlagen & Fundament
Struktur, Prompting-Basics und das notwendige Handwerkszeug für saubere KI-Arbeit

Kapitel 1 - 3: Grundlagen & Fundament

„Smarter Texten mit KI“ wirkt schon auf den ersten Blick wertig – ein Buch, das man gerne in der Hand hält, selbst dann, wenn man gerade auf dem Peloton sitzt und versucht, nicht wie ein tropfender Wasserfall auszusehen. O’Reilly steht ohnehin für Fachbücher, die nicht zufällig im Regal landen, sondern weil man weiß: Hier steckt Handwerk drin, hier steckt Substanz drin.

Für mich ist das besonders interessant, weil ich Ursula Martens seit vielen Jahren kenne. Sie hat früher für medienvirus.de getextet – eine, die Worte nicht einfach benutzt, sondern führt. Und eigentlich könnte man meinen, dass jemand mit dieser Erfahrung sich von KI fernhält. So, wie alte Trainingsmethoden irgendwann aussehen wie staubige Kardiogeräte im Hinterzimmer eines Fitnessstudios, die niemand mehr benutzt, seit es smarte Räder gibt, die mitdenken, auswerten, optimieren. Die Zeiten ändern sich, und die Tools auch.

Ursula hat das verstanden. Sie setzt sich nicht nostalgisch auf ein altes Spinning-Bike und sagt „Das reicht schon“, sondern steigt auf ein modernes Smart-Bike, schaltet alle Sensoren an und sagt: „Okay, wenn das jetzt das neue Trainingsgerät ist – dann werde ich darin richtig gut.“ Diese Haltung ist heute selten, aber sie ist genau die richtige.

Vielleicht hat es mich deshalb nicht überrascht, als sie ein Buch schrieb, das KI nicht als Gefahr, sondern als Werkzeug betrachtet. Auch in meiner Agentur haben wir seit dem KI-Boom keine klassischen Texteraufträge mehr vergeben – nicht, weil ich Texter nicht wertschätze, sondern weil ich sehr genau weiß, welche Inhalte funktionieren. Und weil KI mir erlaubt, präziser und flexibler zu arbeiten. Genau wie ein Peloton, das sofort zeigt, wenn man falsch belastet, zu locker fährt oder im falschen Rhythmus tritt: Man lernt schneller, korrigiert schneller, verbessert schneller.

Trotzdem brauche ich irgendwann wieder Grundlagen. Und das war genau der Punkt, an dem ich stand. Ich hatte Erfahrungen, ich hatte Tools, ich hatte Geschwindigkeit – aber kein einheitliches Fundament mehr. Viele Tipps aus Videos, einzelne Methoden aus Workshops, hier ein Hack, dort eine Eingebung. Doch irgendwann fühlt sich das an wie Training ohne Trainingsplan: Man strampelt, aber weiß nicht, ob man wirklich besser wird.

Ursulas Buch hat mich an genau dieser Stelle erwischt.

Die ersten drei Kapitel bieten Grundlagen – nichts Revolutionäres, aber genau das, was ich brauchte, um wieder sauber zu treten. Und obwohl ich vieles davon kannte, ist es merkwürdig, wie ein Buch im Gegensatz zu kurzen Snippets oder Videos plötzlich den Impuls gibt, es wirklich auszuprobieren. Ich richte mich automatisch auf, justiere die Haltung, optimiere meine Prompting-Technik – so wie man beim Fahren kurz die Position wechselt, weil der Trainer sagt: „Try this.“

Ab Kapitel 4 wird es dann richtig interessant. Da wechselt das Buch gefühlt vom Warm-up in den Leistungsbereich. Es geht nicht mehr nur um Methoden, sondern um Denkmodelle. Nicht darum, wie man Prompts schreibt, sondern warum sie funktionieren – oder eben nicht. Genau ab hier merke ich, dass Ursula nicht einfach Wissen weitergibt, sondern Verständnis. Das ist der Moment, in dem der Widerstand am Bike steigt, aber plötzlich fühlt sich jeder Tritt effizienter an.

Diese Mischung aus Praxis, Grundlagen, Struktur und Haltung macht für mich den besonderen Wert des Buches aus. Es ist kein oberflächlicher Schnellkurs, sondern eher wie eine gut durchgeplante Trainingssession, bei der ich am Ende überrascht feststelle, dass ich stärker, klarer und präziser arbeite als vorher – ohne dass es sich wie Stress angefühlt hätte.

„Smarter Texten mit KI“ von Ursula Martens | Kapitel 4: Projekte, Struktur & Denkmodelle
Chain-of-Thought, Schritt-für-Schritt-Logik und warum saubere Prozesse bessere Ergebnisse liefern

Kapitel 4: Projekte, Struktur & Denkmodelle

Kapitel 4 bleibt weiterhin spannend, auch wenn vieles davon für mich nicht neu ist. Trotzdem fühlt es sich an wie dieses eine Trainingsmodul auf dem Peloton, das man eigentlich kennt – und trotzdem merkt: Wenn man es sauber fährt, sitzt die Technik plötzlich wieder richtig. Genau so verhält es sich hier mit den Grundlagen zur KI-Interaktion. Gerade weil ich hauptsächlich mit ChatGPT arbeite, tut es gut, das eigene Fundament wieder geradezurücken.

Besonders interessant wird der Teil über Projekte. Ich nutze die ChatGPT-Projektfunktion ja schon lange – vor allem dann, wenn es um komplexere Aufgaben geht, etwa um Code-Analysen oder Bugfixing. Und ich kenne exakt dieses Problem: ChatGPT erklärt ausführlich, liefert riesige Blöcke, und schon beim ersten Schritt weiß man eigentlich, dass das so nicht funktionieren kann. Dann scrollt man nach oben, reißt die Notbremse, fängt neu an. Und nochmal. Und nochmal. Je nach Tagesform fühlt sich das fast so an, als würde man im Wiegetritt antreten, während das Bike denkt: „Nö.“

Schon bevor ich das Buch gelesen habe, war mir klar: Schritt-für-Schritt ist der einzige Weg, um bei Code-Problemen nicht in die Wand zu fahren. Aber in Kombination mit dem Chain-of-Thought-Ansatz und den anderen Mechaniken, die Ursula hier erklärt, hat es plötzlich ein Licht angeknipst. Die Idee war sofort da: Für Code-Arbeiten künftig eigene Projekte anlegen – und in diesen Projekten standardmäßig fest verankern, dass jede Aufgabe konsequent in klaren, nummerierten Schritten abgearbeitet wird. So sitzt die Technik vom ersten Tritt weg.

Gerade bei Fehleranalysen, verzwickten Bugfix-Aufgaben oder Situationen, in denen sich mehrere Faktoren gegenseitig beeinflussen, bringt dieser strukturierte Ansatz eine Ruhe rein, die man sonst erst nach mehreren Neustarts hat. Und genau das macht Kapitel 4 für mich so wertvoll: Es zeigt nicht nur, wie man besser promptet, sondern wie man KI-Prozesse grundlegend stabilisiert – so, dass man nicht ständig neu antreten muss, sondern endlich in einen gleichmäßigen Rhythmus kommt.

Einen besonders wichtigen Schwenk macht Kapitel 4 dann beim Thema Ethik. Und das ist ein Punkt, den ich persönlich sehr schätze. Denn so sehr ich KI liebe und nutze – und so sehr ich selbst davon profitiere –, bleiben zwei Realitäten bestehen: KI verändert die kreative Branche massiv, und ja, sie frisst auch Jobs weg. Vor allem im Textbereich. Vor allem im Kreativbereich. Das kann man nicht schönreden, und ich wäre der Letzte, der behaupten würde, dass mich das völlig kalt lässt.

Umso wichtiger finde ich die Haltung, die Ursula an dieser Stelle einnimmt. Sie spricht nicht verklärt über Chancen, ohne Risiken zu erwähnen. Sie macht aber auch nicht den Fehler, KI als Bedrohungsszenario zu inszenieren. Stattdessen ordnet sie das Ganze klar als Werkzeug ein – eines, das mächtig ist, aber eben nur so verantwortungsvoll arbeitet wie der Mensch, der es bedient. Das ist genau die Art von Bodenhaftung, die man in so einem Buch braucht.

Besonders gut gefällt mir der Hinweis, keine realen Personen als Basis zu verwenden und Texte nicht im Stil „berühmte Persönlichkeit XY“ anzufordern, sondern stattdessen auf kreative, eigene Stile auszuwichen. Das sind solche kleinen, aber wichtigen Leitplanken, die man gerne vergisst, wenn man gerade im Flow ist und „mal eben schnell“ etwas generieren möchte. Es ist ein bisschen wie auf dem Peloton: Wenn man nicht bewusst auf Haltung, Widerstand und Trittfrequenz achtet, fährt man zwar – aber man trainiert nicht gesund.

Dass viele dieses Kapitel überspringen werden, weil Ethik nicht so „sexy“ klingt wie Prompting-Hacks oder Output-Optimierung, liegt leider nahe. Aber ich begrüße sehr, dass Ursula das Thema nicht nur anspricht, sondern klar benennt. Ich versuche selbst, mich so gut wie möglich an diese Grundsätze zu halten. Nicht perfekt, aber bewusst. Und ich hoffe sehr – vielleicht naiv optimistisch –, dass KI mittelfristig mehr Gutes bewirkt als Schaden anrichtet. Vor allem, wenn Menschen in kreativen Berufen Verantwortung übernehmen, statt in Angst zu verharren oder das Werkzeug gedankenlos zu missbrauchen.

„Smarter Texten mit KI“ von Ursula Martens | Kapitel 5: Text-Handwerk & Wirkung
Warum gute Texte hängen bleiben, schwache verdampfen – und was KI damit eigentlich zu tun hat

Kapitel 5: Text-Handwerk & Wirkung

Kapitel 5 kam für mich überraschend. Ich wusste gar nicht, dass Ursula diesen Schlenker machen würde – und er fühlt sich an wie ein kleiner Diamant im Gesamtwerk. Ein Kapitel, das plötzlich nicht über KI spricht, sondern über das, was schon lange vor KI gut war und lange nach KI gut bleiben wird: Schreiben. Wirklich gutes Schreiben.

Ursula plaudert hier aus dem Nähkästchen, aber nicht belanglos oder selbstverliebt, sondern mit der Ruhe und Erfahrung einer Texterin, die genau weiß, warum manche Texte im Kopf bleiben und andere sofort verdampfen wie Schweiß auf einer Peloton-Matte. Es geht darum, wie gute Texte entstehen, wie Rhythmus, Klarheit und Struktur wirken – und vor allem, warum so viele Firmentexte scheitern, weil sie niemanden emotional erreichen.

Ich bin erst ein paar Seiten tief drin, aber schon diese wenigen Seiten haben gereicht, um mich kurz zu stoppen. Auf dem Peloton würde man sagen: Der Trainer ruft „halt kurz inne und check deine Form“. Denn obwohl ich anfangs dachte: Nee, ich bleibe bei langen Texten, das passt schon…, hat sich mein innerer Widerstand nach exakt zwei Seiten verflüchtigt. Und plötzlich tauchte dieser unterschwellige Gedanke auf: Vielleicht lohnt es sich, meinen Schreibstil an ein paar Stellen doch zu überdenken. Das schafft Ursula innerhalb von zwei Seiten – und das ist schon eine ziemliche Kunst.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Kapitel 5 wirkt jetzt schon wie ein Bereich, in dem ich viel mehr über mich selbst als Schreiber lerne als über KI. Und das ist fast das Spannendste daran.

Was Kapitel 5 dann wirklich besonders macht, ist nicht ein einzelner Aha-Moment, sondern die Dichte an Handwerkszeug. Ursula schreibt hier kein KI-Kapitel, sondern ein Text-Kapitel. Und zwar eines, das man auch unabhängig vom restlichen Buch lesen könnte und danach spürbar anders formuliert.

Sie zeigt sehr klar den Unterschied zwischen starken und schwachen Texten – nicht theoretisch, sondern so, dass ich plötzlich eigene Website-Absätze im Kopf durchgehe und denke: „Okay. Erwischt.“ Dieses Kapitel ist kein Fingerzeig, sondern eher ein sauberer Technik-Check. Wie beim Training merkt man irgendwann, dass man zwar Kilometer sammelt, aber nicht unbedingt effizient fährt. Und dann kommt jemand und korrigiert nur minimal die Haltung – und plötzlich wird jeder Tritt wirkungsvoller.

Besonders hängen geblieben sind mir die scheinbar simplen Regeln: Ein Satz ist ein Gedanke. Der beste Satz ist oft der einfachste – aber eben nicht banal. Klartext schlägt aufgeblasenes Marketing-Geraune. Phrasen sind bequem, aber selten hilfreich. Das klingt alles vertraut, fast selbstverständlich. Und genau deshalb übersieht man es im Alltag so leicht.

Spannend wird es auch bei der Frage, wie Zielgruppen Texte tatsächlich konsumieren. Nicht wie ich glaube, dass sie es tun. Wann Anglizismen sinnvoll sind – und wann sie einfach nur Distanz schaffen. Wann Abkürzungen Effizienz bringen – und wann sie Leser ausschließen. Der Unterschied zwischen leichter und einfacher Sprache. Dinge, die ich als Agenturinhaber theoretisch weiß, aber im operativen Alltag manchmal aus dem Blick verliere, weil ich selbst zu tief im Thema stecke.

Und dann kommen Konzepte wie die Peak-End-Regel oder Framing ins Spiel. Psychologische Mechanismen, die zeigen, warum bestimmte Aussagen hängen bleiben und andere nicht. Warum ein Text nicht nur aus Informationen besteht, sondern aus Erlebnissen. Und warum der letzte Eindruck oft wichtiger ist als der ganze Mittelteil – was mir ehrlich gesagt auch beim Schreiben dieser Rezension ein kleines bisschen Druck macht.

Besonders stark finde ich auch die Passage zu aktivem und passivem Schreiben. Nicht nur, weil sie erklärt, wie man passive Konstruktionen erkennt, sondern weil sie bewusst macht, wie sehr Sprache Verantwortung verschiebt oder übernimmt. „Es wurde entschieden“ klingt eben anders als „Wir haben entschieden“. Und plötzlich merke ich, dass Text nicht nur Stil ist, sondern Haltung.

Kapitel 5 fühlt sich an wie ein intensiver Technikblock mitten im Training. Ich bin warmgefahren, ich glaube, ich weiß, wie es geht – und dann kommt dieser Teil, der alles sauberer, klarer, präziser macht. Und das ganz ohne KI-Zaubertricks. Nur mit Handwerk.

Und genau da wird es noch einmal sehr konkret.

Ich sitze also ein paar Tage später wieder auf dem Peloton und lese weiter. Es geht um Floskeln und überflüssige Silben. Wörter, die Texte aufblasen, ohne etwas zu leisten. „Innenstadtbereich“ zum Beispiel. Warum nicht einfach „Innenstadt“? Gleiche Aussage, weniger Ballast.

Oder dieser typische Marketingsatz: „Unsere hochqualifizierten Experten entwickeln maßgeschneiderte, nachhaltige Strategien.“ Klingt wichtig – bleibt aber vage. Konkreter wäre: Unser Team analysiert deine Kampagne und zeigt dir nach 48 Stunden, wo du Reichweite steigern kannst. Greifbar. Messbar. Verständlich.

Ein paar Seiten weiter nimmt sich Ursula Füllwörter und Adjektive vor. Drei typische Fallen, in die man beim Schreiben regelmäßig tappt. Nichts revolutionär Neues – aber sehr wirksam, wenn man es wieder bewusst vor Augen geführt bekommt. Mehr will ich hier gar nicht vorwegnehmen. Dieses Kapitel lebt davon, dass man sich selbst beim Lesen ertappt.

Dann geht es um Techniken, die Texte lebendig machen: Metaphern, Sinnesreize, ungewöhnliche Verknüpfungen. Also um genau die Mittel, die aus Information ein Erlebnis machen. Ein Text beschreibt dann nicht nur – er zeigt.

Auch bessere Hauptwörter spielen eine Rolle. Manchmal reicht das erstbeste Substantiv nicht. Man muss graben, bis man das präzisere findet. Spannend wird es beim Thema Kitsch. Ursula empfiehlt im B2B eher Nüchternheit. Hier sehe ich es etwas anders: Gerade dort kann gezielt eingesetzte Emotion den Unterschied machen. Wenn alles technisch klingt, bleibt am Ende wenig hängen.

Es folgen Verneinungen und noch schlimmere doppelte Verneinungen – sprachliche Umwege, die Aufmerksamkeit kosten. Statt klar zu formulieren, sagt man, was etwas nicht ist. Als Stilmittel für Ironie kann das funktionieren. Unbewusst eingesetzt, schwächt es Texte – und genau das wird hier sehr klar.

Auch zusammengesetzte Hauptwörter kommen vor. Im Deutschen lieben wir Wortketten. Doch sie machen Texte oft schwerfälliger als nötig. Inhaltlich stimme ich zu – ergänzen würde ich lediglich eine webtechnische Perspektive: In Navigationen oder engen Layouts sind lange Komposita manchmal schlicht zu lang. Hier hilft etwa das Soft-Hyphen-Zeichen (­­), das nur bei Bedarf trennt – ein kleiner, aber praktischer Tipp aus Webdesigner-Sicht.

Am Ende von Kapitel 5 geht es um Schreibblockaden. Ein solides Finale. Vieles davon ist bekannt, bewährt, sinnvoll. Beim Thema KI bleibt es für meinen Geschmack etwas knapp. Der Tipp, beim Spazierengehen Notizblock und Stift dabeizuhaben, wirkt auf mich eher theoretisch. 😉

Besser und aus der eigenen Praxis: Große Teile dieses Beitrags sind per Spracheingabe in der ChatGPT-App entstanden – direkt vom Peloton aus. Reingesprochen, Rohtext erzeugt, später geschliffen. Solche digitalen „Umwege“ können Schreibblockaden meiner Meinung nach heute wesentlich effektiver lösen.

Das schmälert das Kapitel jedoch nicht. Insgesamt bleibt es ein sehr solider Abschluss. Und ich bin ehrlich gespannt auf Kapitel 6.

Ein Zwischenstand nach mehreren Kapiteln – und warum dieses Review weiterwächst

Vorläufiges Fazit: Noch lange nicht am Ende

Bis hierhin kann ich sagen: „Smarter Texten mit KI“ ist kein schneller KI-Hack-Guide, sondern ein solides Praxisbuch mit Substanz. Es verbindet Technik mit Text-Handwerk und Haltung – und genau diese Kombination macht es für mich wirklich wertvoll. Besonders spannend ist, dass das Buch nicht nur mein Prompting schärft, sondern auch meinen Blick auf Sprache selbst.

Ich bin allerdings noch nicht durch. Weitere Kapitel stehen an, weitere Gedanken werden folgen – und genau deshalb wächst diese Rezension weiter. Jedes Mal, wenn ich ein Stück weiterlesen (manchmal zwischen Projekten, manchmal zwischen Trainingseinheiten), ergänze ich hier meine Eindrücke.

Und noch etwas:
Wenn du solche ausführlichen, ehrlichen Langzeit-Rezensionen für dein eigenes Werk spannend findest und dir vorstellen kannst, dein Buch oder Projekt auf unserem Blog ähnlich tiefgehend besprechen zu lassen, dann melde dich gerne bei uns. Wir schauen gemeinsam, ob und wie sich das sinnvoll umsetzen lässt.

3 Gedanken zu „Smarter Texten mit KI von Ursula Martens: Warum unsere Rezension absichtlich so überlang ist“

  1. Oh, wow! Danke, Jens! Mein innerer kleiner Bildungsauftrag freut sich, wenn er nützliches Wissen in die Welt gestreut hat.

    Die Autorin in mir freut sich jedes Mal wieder, wenn das Buch so verstanden wird, wie es gedacht ist: als Praxishelfer, der meine fast zwanzig Jahre Erfahrung als Copywriterin verbindet mit den Möglichkeiten, die generative KI uns gibt.

    Danke, lieber Jens 🤗 Und weiterhin viel Spaß beim Lesen, Pelotonieren und (Weiter) -schreiben 🫰

    1. Liebe Ursula,

      dein „innerer kleiner Bildungsauftrag“ hat hier definitiv ganze Arbeit geleistet. 😊

      Und ja: Es wird weitergelesen, weitergestrampelt und weitergeschrieben. Das Peloton und dein Buch sind aktuell eine ziemlich gute Kombination.

      Danke dir für die lieben Worte – und vor allem für das Buch.

      Liebe Grüße
      Jens

      1. Ich freute mich auf die Fortsetzung. Und siehe da – hier ist sie schon 😊

        Ja, es passt nicht alles in ein Buch, das im Untertitel „Auf den Punkt“ heißt 😄

        Ich hab mich auch nur schwer von meinem kleinen Kapitel über die Geschichte der KI getrennt. Da standen coole Sachen drin.

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